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GoingPublic 1/2017

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22 Januar 2017 sich an den nackten Zahlen ablesen: Am Morgen nach dem Brexit eröffnete der DAX mehr als 1.000 Punkte unter dem Schlusskurs des Vortags – ein Verlust von knapp 10% über Nacht. Doch der Schock war nur von kurzer Dauer: Ein Drittel der Verluste konnte be- reits im Tagesverlauf zurückgewonnen werden und vier Wochen später war der Stand vom Abend des 23. Juni wieder erreicht. Dass es so schnell ging, lag neben der Liquiditätskarte, die immer noch sticht, vor allem an guten Halbjahreszahlen der Unternehmen.HöhepunktwardiePrognose- anhebung von Henkel: Die Aktie des Düs- seldorfer Konsumgüterriesen erreichte eine Rekordhöhe und der DAX hatte am Abend des 11. August endlich wieder den Stand vom Jahresende 2015 erreicht. Damit war jedoch eine Pattsituation er- reicht. Einerseits haben sich die Anleger an Überraschungen aller Art gewöhnt – die Wahl von Donald Trump sorgte etwa nur kurzfristig für eine kleine Delle und die Abdankung von Matteo Renzi verpuffte vollkommen. Insgesamt ging die Volatilität im zweiten Halbjahr merklich zurück. An- dererseits ist die Unsicherheit angesichts offener Fragen zur Trump‘schen Politik und zur im Raum stehenden Zinswende nach wie vor groß. So ist eine gut sichtbare Zone entstanden, die rund drei Monate Bestand hatte. Erst positive Vorgaben der US-Märkte und die Verlängerung des Anleihekaufpro- gramms durch die EZB ließen den DAX zu- letzt nach oben ausbrechen. Gerade noch rechtzeitig für eine Jahresendrally. Nur ein größerer Börsengang Zwar konnten Anleger mit dem richtigen Timing durchaus zweistellige Kursgewinne erzielen, doch unter dem Strich ist das Bör- senjahr 2016 den Erwartungen nicht gerecht geworden. Noch mehr als für den Kursver- lauf gilt dies für das Börsenklima. Die zur Jahresmitte in Kraft getretene EU-Markt- missbrauchsrichtlinie macht kleineren Ge- sellschaften das öffentliche Leben nicht leichter und wird noch das ein oder andere Delisting nach sich ziehen. Erfolgreiche Bör- sengänge gab es in Deutschland hingegen kaum – insbesondere wenn man sich die näheren Umstände anschaut: Von 14 in Frankfurt neu gelisteten Unternehmen waren 6 reine Notierungsaufnahmen, 2 Lis- tings mit Privatplatzierung und 5 eher klei- nere Transaktionen (siehe Tabelle). Gerade einmal knapp 600 Mio. EUR kamen dabei insgesamt zusammen. Gerettet wurde das Jahr vom Börsengang der RWE-Tochter innogy, die einen Gesamtemissionserlös von rund 5 Mrd. EUR erzielte. Damit war innogy das größte IPO seit den Debüts von Deutscher Post und Infineon im Jahr 2000. Überhaupt sind Spin-offs in punkto Börsengänge derzeit fast der einzige Hoff- nungsträger: Nach Covestro und Hapag Lloyd im vergangenen sowie Uniper und innogy im aktuellen könnte im nächsten Jahr die Gesundheitssparte von Siemens folgen. Auch Metro dachte im Frühjahr schon einmal laut über die Aufspaltung der Elektronikhandelskette Media-Saturn sowie des Großhandels- und Lebensmit- telgeschäfts in zwei börsennotierte Ge- sellschaften nach. De facto schon lange out, geht es den Bauchläden jetzt tatsäch- lich an den Kragen. Den schwachen Gesamteindruck kann das aber nicht über- tünchen. Insbesondere nachdem Ende November auch noch der Börsengang der Varta AG platzte. Schließlich ist der Ell- wanger Energielösungsanbieter eigentlich ein IPO-Kandidat nach Maß: Etablierter Mittelständler mit bekanntem Namen und zukunftsfähigen Geschäftssegmenten. Neues Segment, alte Probleme Ein Unternehmen, wie es sich die Deutsche Börse AG für ihr neues Segment wahrschein- lich wünschen würde. Die pünktlich zum Eigenkapitalforum veröffentlichte Ankündi- gung, den Entry Standard abzuschaffen und durch ein noch namenloses SME-Segment für Wachstumsunternehmen zu ersetzen, war keinesfalls unerwartet. Zeitpunkt und Details überraschten dann aber doch. Grundsätzlich ist es der richtige Weg, den Markt für Small- und Mid-Caps neu zu bele- ben. Um die entsprechenden Unternehmen tatsächlich für die Börse und das neue Seg- ment zu begeistern, wird es jedoch noch einiger Überzeugungsarbeit und der ein oder anderen Anpassung bedürfen. Überzeugungs- und Detailarbeit allein wird aber nicht genügen. Wenn für ein Unternehmen wie Varta selbst die derzeiti- gen eher ruhigen Marktbedingungen zu un- günstig für einen Börsengang sind, braucht es keinen Propheten, um zu wissen, dass die Probleme tiefer liegen. Die Aktienkultur ist es, die fehlt. Solange Risikobereitschaft immer noch mit Zockerei gleichgesetzt wird, ist keine Änderung in Sicht. Hier ist die Politik gefragt: Spätestens jetzt, wo er sein gefordertes neues Segment bekom- men hat, sollte sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel daran machen, die Rahmen- bedingungen zu verbessern. Konkret heißt das: mehr Wirtschaftsunterricht in Schu- len, die Abschaffung der Doppelbesteue- rung von Kapitalerträgen sowie die Förde- rung einer stärker aktienorientierten Vor- sorge. Denn der Kapitalmarkt bietet einen naheliegenden Lösungsansatz für die drohende Altersarmut der kommenden Generationen. Auch wenn nicht immer alle Prognosen eintreffen. Q IPO-Markt 2016: Durchwachsene Bilanz Unternehmen Branche Datum Segment Modus Emissions- erlös Perfor- mance* B.R.A.I.N AG Biotech 09.02.2016 Prime St. IPO 31,5 Mio. EUR 74,4% Senvion S.A. Windenergie 23.03.2016 Prime St. Privatplatzierung 297 Mio. EUR -16,6% SendR SE Entertainment 30.03.2016 Entry St. Notierungsaufn. – -12,0% MyBucks S.A. Finanzdienstl. 23.06.2016 Entry St. IPO 15,5 Mio. EUR 24,1% Decheng Techn. AG Spezialchemie 28.06.2016 General St. IPO 2,6 Mio. EUR -30,6% A.H.T. Syngas Technology N.V. Energie 01.07.2016 Entry St. Notierungsaufn. – -78,8% Diebold Inc. IT 12.08.2016 Prime St. Notierungsaufn. – -9,7% uhr.de AG Luxusgüter 18.08.2016 Entry St. Notierungsaufn. – -51,1% CIECH S.A. Chemie 23.08.2016 General St. Notierungsaufn. – -15,5% Uniper SE Energie 12.09.2016 Prime St. Notierungsaufn. – 13,1% va-Q-tec AG Dämmstoffe 30.09.2016 Prime St. IPO 83 Mio. EUR -6,4% Corestate Capital Holding S.A. Immobilien 04.10.2016 Entry St. Privatplatzierung 43 Mio. EUR 25,3% innogy SE Energie 07.10.2016 Prime St. IPO 5 Mrd. EUR -15,8% Shop Apotheke Europe N.V. Gesundheit 13.10.2016 Prime St. IPO 115 Mio. EUR -18,2% *) Xetra-Schlusskurse vom 8.12.2016; Quelle: BankM Titelthema Rückblick/Ausblick

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