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GoingPublic 1/2017 - Weniger Volatilität, weniger Lametta

Rückblick auf das Börsenjahr 2016

20 Januar 2017 Titelthema Rückblick/Ausblick D as Börsenjahr 2016 begann mit einem ausgewachsenen Kater: Mehr als 4% nach unten ging es für den DAX am ersten Handelstag. Schuld an allem war ein hochprozentiger Angst-Cock- tail aus China: Um über 7% war die Börse in Peking gefallen, was einen automatischen Handelsstopp zur Folge hatte. Dass die Ver- werfungen eher technische – auslaufende staatliche Verkaufsverbote resultierten in massiven Gewinnmitnahmen von Klein- anlegern – als fundamentale Hintergründe hatten, ging in der allgemeinen Aufregung unter. Zumal mit der Zuspitzung des Syrien-Konflikts, dem Ölpreisverfall und der unsicheren US-Konjunktur weitere Pro- blemfelder hinzukamen. Insgesamt 18,5% büßte der DAX in die- sem Umfeld bis Mitte Februar ein (siehe Abb. 1). Teilweise hatte das fast schon Züge von Panik: „Verkaufen Sie alles außer Quali- tätsanleihen“, warnte beispielsweise die Royal Bank of Scotland Anleger vor einem globalen Drama. Letztendlich war es wohl die Häufung verschiedener negativer Ent- wicklungen, die einen Anstieg der Risikosen- sibilität nach sich zog und die Informations- effizienz im Geiste von Eugene Fama zwi- schenzeitlich außer Kraft setzte. Denn die einzelnen Themen waren ja allesamt nicht neu. Und das einzige ersthafte Problem, ein ökonomischer Zusammenbruch Chinas, war zu keinem Zeitpunkt ein glaubhaftes Szenario. Kein Wunder also, dass ab Mitte Februar ein Wandel einsetzte. Die Einsicht, dass im allgemeinen Pessimismus das Überra- schungsmoment bei den Optimisten ist, gewann allmählich wieder die Oberhand. Zumal das billige Öl die Industrie stützte und die Notenbanken zu keiner Zeit aufhör- ten, billiges Geld in die Märkte zu pumpen. Spätestens als die EZB am 21. März den Leit- zins auf 0,00 Prozent senkte und dazu den Kauf von Unternehmensanleihen beschloss, wurde dies auch den letzten Anlegern klar. Da hatte sich der DAX allerdings schon wie- der auf rund 10.000 Punkte berappelt. Brexit-Schock gegen aufkeimende Langeweile Kurzfristig griff tatsächlich so etwas wie Langeweile um sich. Wie betäubt von der Liquiditätsspritze pendelte der Index auf dem gewonnenen Niveau drei Monate lang der Brexit-Entscheidung entgegen. Erst mit steigender Zuversicht auf einen briti- schen EU-Verbleib ging es weiter nach oben. Der Großteil der Kursverluste vom Jahresbeginn war aufgeholt und die Aus- sichten für das zweite Halbjahr waren bullish. Doch dann kam bekanntlich alles ganz an- ders. Das Ausmaß der Überraschung lässt Weniger Volatilität, weniger Lametta Rückblick auf das Börsenjahr 2016 Ob Brexit oder US-Wahl: 2016 war ein schwarzes Jahr für Meinungsforscher. Da machen die Kapitalmarktexperten keine Ausnahme: Durchschnittlich bei 11.844 Punkten sahen sie den DAX zum Jahresende. Da braucht es schon eine kräftige Jahresendrally. Zwar scheint es ganz zuletzt tatsächlich noch einmal nach oben zu gehen, aber insgesamt stand 2016 längst nicht mehr so im Zeichen gestiegener Volatilität wie 2015. Von Axel Rose Abb. 1: DAX-Verlauf 2016 – Kommt die Jahresendrally? Quelle: BankM, Daten: Xetra-Schlusskurse (Stand 9. Dezember) 21.3.2016: EZB senkt Leitzins auf 0,00% und beschließt Kauf von Unternehmensanleihen 23.6.2016: Briten stimmen für Brexit 11.8.2016: Henkel-Aktie springt nach Prognoseanhebung auf Rekordhoch 8.11.2016: Trump wird zum US-Präsidenten gewählt 8.12.2016: EZB verlängert Anleihekauf- programm 11.000 10.500 10.000 9.500 9.000 8.500 Jan 16 Feb 16 März 16 Apr 16 Mai 16 Juni 16 Juli 16 Aug 16 Sep 16 Okt 16 Nov 16 Dez 16 ZUM AUTOR Axel Rose ist bei der BankM im Corporate Actions & Documentations-Team tätig und betreut in dieser Funktion mittelständische Unternehmen bei Transaktionen am deut- schen Kapitalmarkt sowie bei der Erfüllung der Folgepflichten. Rose ist ausgebildeter Bankkaufmann und studierte in Frankfurt und Southampton Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten internationale Wirtschaftsbeziehungen und Finanzen.

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