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GoingPublic 1/2017 - Kolumne

Neues Börsensegment: ein erster Schritt in die richtige Richtung

Januar 2017 11 Going Public Die überraschende Ankündigung der Deutschen Börse auf dem Eigenkapitalforum, den „Entry Standard“ durch ein Mittelstandssegment neu zu orientieren und zu ersetzen, ist ein notwendiger und längst überfälliger Schritt, um sich um das Problem des schwächelnden deutschen IPO-Marktes zu kümmern. Von Prof. Dr. Wolfgang Blättchen Kolumne Neues Börsensegment: ein erster Schritt in die richtige Richtung ZUM AUTOR Prof. Dr. Wolfgang Blättchen ist geschäfts- führender Gesellschafter der BLÄTTCHEN FINANCIAL ADVISORY GmbH und seit 30 Jahren als unabhängiger Berater für Kapitalmarktstrategien aktiv. In dieser Zeit konnte er rund 50 erfolgreiche IPOs und IBOs sowie zahlreiche weiterführende Kapitalmarkttransaktionen begleiten. Er ist aktives Mitglied in Aufsichts- und Beiräten börsennotierter und privater Unternehmen, Ansprechpartner der Börsen sowie Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Kapitalmarkt. A uch wenn das neue Segment auf den ersten Blick inhaltlich mit Ausnahme des von der Deutschen Börse in Auftrag gegebenen Analysten- researchs und des Direktplatzierungstools „Direct Place“ nur wenige Neuerungen zum bestehenden Entry Standard aufweist, so zeigt das bisherige überwiegend positive mediale Echo, dass der Kapitalmarkt die- sen Vorstoß erwartete. Die Zielgruppe für dieses Segment sind vor allem mittelstän- disch geführte Unternehmen und damit auch Familienunternehmen, die aufgrund der hohen Aufwendungen für die Um- stellung und das regelmäßige Reporting nach internationalen Rechnungslegungs- vorschriften (IFRS) ihre Abschlüsse weiter- hin nach HGB ausstellen und sich in einer börsennotierten AG nicht mit den Vor- schriften der Entsprechenserklärung beschäftigen wollen. Laut Pressemitteilung der Deutschen Börse werden auch Unter- nehmen angesprochen, „die sich bei Inves- toren bereits bewährt haben“1 . Wenn die entsprechenden Einbeziehungsunterlagen nicht zu aufwendig sind, wird man auch wieder mehr Listings sehen. Das neue Segment soll am 1. März 2017 starten, also fast tagesgenau zum Grün- dungstag des Neuen Marktes vor 20 Jah- ren am 10. März 1997. Im Unterschied zum Neuen Markt ist das neue KMU-Segment aber kein klassisches Wachstumssegment, da nur Emittenten mit einem Mindest- umsatz, einer Mindestkapitalausstattung und einer positiven Ertragshistorie den Zugang erhalten. Damit fallen allerdings interessante Emittenten aus der kapital- intensiven Biotechnologie duch das Raster, die, durch das Geschäftsmodell bedingt, in den ersten Jahren rote Zahlen ausweisen und deutlich weniger als die geforderten 10 Mio. EUR Mindestumsatz generieren. Manch potenzieller IPO-Kandidat, der sich auf der im Jahr 2015 gegründeten Deutsche Börse Venture Network Platt- form tummelt, wird sich schwer tun, in diesem Segment einen Börsengang zu starten: Zwar werden viele der Gesell- schaften die drei der fünf quantitativen Mindestaufnahmekriterien erfüllen, je- doch strahlt das Image des KMU-Seg- ments nicht deren „Corporate Identity“ aus. Daher wäre es angebracht, für diese VC-finanzierten Wachstumsunternehmen einen passenden „Hightech-Wachstums- Hafen“ für den ersten Schritt an den öf- fentlichen Kapitalmarkt anzubieten, das dem Chancen-Risikoprofil sowie der Be- sonderheit der Zielgruppe in der Außen- darstellung Rechnung trägt – sonst bleibt nur der Prime Standard. Geben wir dem neuen Segment eine Chance, sich am Markt zu bewähren. Die Gefahr, dass damit erneut eine „Tech- Bubble“ entsteht, ist gering. Die europa- weite „Tech-Bubble“ im Jahr 2000 kam weniger von den damaligen Internetemit- tenten, sondern vielmehr von den „old school“ Telekommunikationsunternehmen. Daher überrascht es auch nicht, dass allein die Deutsche Telekom (IPO 1996!) im Zeitabschnitt ihres Bewertungshöhe- punkts im März 2000 und ihrer danach ein- setzenden Kurskonsolidierung bis Februar 2002 gewaltige 245 Mrd. EUR an Markt- bewertung verlor. Die über 300 notierten „Neuer Markt“-Emittenten schafften es, im gleichen Zeitraum einen Börsenwert von „nur“ 177 Mrd. EUR zu vernichten. Vielleicht lernt auch die Presse bei ihrer Berichter- stattung über das Segment endlich einmal, diese zwei Phänomene nicht permanent zu vermischen, verwechseln und falsch zu interpretieren. Der TecDAX als Nachfolger des NEMAX hat sich seit seiner Auflegung im März 2003 immerhin um 439% verbes- sert und bewegt sich wie die amerikani- schen Tech-Börsen auf einem „all-time high“. Mit Eigenkapital kann man eben gewinnen und verlieren. Q 1) Pressemitteilung vom 21. November 2016 der Deutschen Börse AG Geben wir dem neuen Segment eine Chance sich am Markt zu bewähren. Januar 201711

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