Leuchtturm/DFB-Kulturstiftung

Preis. Würdig.

Das Jubiläum ist bemerkenswert. Vor allem aber die, die ausgezeichnet werden. Seit 20 Jahren erinnert der Julius Hirsch Preis an den in Auschwitz ermordeten Nationalspieler. Und schafft eine Bühne für all jene, die sich im, um und durch den Fußball für Menschenrechte und gegen Diskriminierung engagieren. Für DFB-Präsident Bernd Neuendorf »der wichtigste Preis, den der DFB zu vergeben hat«.

 

Diese Bühne hat sie alle gesehen, Rockstars, Literaturgiganten, Nobelpreisträger. Seit dem 27. November 2025 gehören drei weitere dazu: der Seminarkurs der 11. Klasse des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal bei Karlsruhe, das Projekt »Nordstadtliga« aus Dortmund und der FC Mainaustrasse aus München. Die Julius Hirsch Preisträger 2025, die vor vollem Haus in der legendären Konzert-Location FABRIK in Hamburg ihre Auszeichnungen entgegennahmen. 20 Jahre nach seiner Stiftung im Jahr 2005 feierte der Julius Hirsch Preis des DFB – durchgeführt von der DFB-Kulturstiftung – ein bemerkenswertes Jubiläum. Und daher ein bisschen auch sich selbst. Und zahlreiche Preisträgerinnen und Preisträger aus diesen zwei Jahrzehnten feierten mit. 

 

Mit der Stiftung des Preises erinnert der DFB an den deutsch-jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch, der 1943 in Auschwitz ermordet wurde, und an alle, insbesondere die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsstaats. Geehrt werden Menschen, Initiativen und Vereine, die sich in besonderem Maße gegen Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus sowie für Vielfalt und Menschenwürde einsetzen. Mehr als 1.800 Bewerbungen sind seitdem eingegangen, 63 von ihnen wurden mit Preisen bedacht, außerdem wurden zehn Ehrenpreise verliehen. Jeder eine Anerkennung für außergewöhnliches Engagement, für Wehrhaftigkeit, Mut und Überzeugung. Und für die klare Botschaft: »Nie wieder!« Die Preisträgerinnen und Preisträger seien es, »die unseren Fußball und unser Zusammenleben mitprägen, die mit dem Blick voraus Hoffnung geben«, sagt DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Der Julius Hirsch Preis sei ihre Bühne. »Der deutsche Fußball wird nicht nachlassen, sich klar für die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung einzusetzen, für die Werte, die wir uns in unserer Satzung gegeben haben –für jene Werte, die uns allen ein Leben in Würde, Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen«, so der DFB-Präsident. »Wir werden – auch das ist eine Lehre aus unserer Geschichte – uns immer und mit allem Nachdruck gegen Antisemitismus zur Wehr setzen und an der Seite unserer jüdischen Freunde stehen.«

 

 

»Der Julius Hirsch Preis ist der wichtigste Preis, den der DFB zu vergeben hat.«

BERND NEUENDORF, DFB-PRÄSIDENT

 

 

Ein starkes, sichtbares Zeichen setzen auch die Pfinztaler Schülerinnen und Schüler, die in Hamburg den ersten Preis entgegennahmen. Sie entwickelten eine sogenannte »Julius-Hirsch-Event-Box«, die praxiserprobte Veranstaltungsformate von Fußballturnieren über Theaterprojekte bis hin zu öffentlichen Präsentationen enthält und – verbunden mit der Vita von Julius Hirsch – praktische Anregungen für Aktivitäten gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung gibt.

 

Die »Nordstadtliga Dortmund« als zweiter Preisträger spricht seit mehr als zwei Jahrzehnten Kinder und Jugendliche im sozialen Brennpunkt der Dortmunder Nordstadt an, die durch klassische Bildungs- und Vereinsstrukturen kaum erreicht werden. Während die »Nordstadtliga Queens« sich gezielt an Mädchen richten, erinnert der Mehmet-Kubaşık-Cup an den 2006 vom NSU ermordeten Dortmunder Kioskbesitzer. Der dritte Preisträger, der FC Mainaustrasse aus München, ursprünglich gegründet in einer Geflüchteteneinrichtung, ist heute ein eingetragener Fußballklub im regulären Spielbetrieb des Bayerischen Fußball-Verbandes. Zudem unterstützt der Verein seine Mitglieder aus unterschiedlichen Herkunftsländern bei Behördengängen, Wohnungssuche, Ausbildungen oder der Integration ins Ehrenamt.

 

Gemeinsam mit ihren Vorgängerinnen und Vorgängern der vergangenen 20 Jahre stehen die diesjährigen Preisträger beispielhaft für einen geschichtsbewussten und gesellschaftspolitisch aktiven Fußball, der über die Spielfeldgrenzen hinausreicht und dessen Engagement in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten in seiner Tiefe und Breite nicht nachgelassen hat.

 

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums veröffentlichte der Deutsche Fußball-Bund das offizielle Verbandsmagazin JOURNAL mit Schwerpunkt zu Julius Hirsch.